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 „Aaaach, ja.“, sagte sie gedehnt, als sie die Haustür geöffnet hatte, kurz bevor sie kalte Luft registrierte, die von draußen hereinkam. „Jetzt könnt ihr mir nicht mal mehr Zeit zum Anziehen lassen, wunderbar.“

 „Zeit ist Geld, meine Liebe.“, sagte der junge Mann, dessen dunkelbraune, zerzauste Haare nur wenig zu seinem schwarzen Anzug passten, während er schon seinen Autoschlüssel ungeduldig zwischen seinen Fingern balancierte.

 „Komm rein.“, meinte sie mit einem Grinsen. Eigentlich hätte sie sich jetzt ein schönes warmes Bett gewünscht, aber das würde bis zum Morgengrauen warten müssen. Immerhin, für eine Suppe dürfte doch noch Zeit sein.

 „Sexy, sexy“, kommentierte der nächtliche Besucher gähnend, als ihr beim Betreten der Stube das Handtuch verrutschte.

 „Halts Maul“, zischte sie und fügte hinzu „Mach dich nützlich und gieß mal ein paar Suppen auf.“

 Er ließ sich auf einen Sessel fallen, ein altes, massives Modell, das mitsamt der restlichen Garnitur nicht wirklich in die sonst eher modern eingerichtete Wohnung passte. „Hast wohl schlechte Laune, mmh?“, fragte er, in die Richtung ihres Schlafzimmers. Die Wohnung war nicht sonderlich groß und weil die Nacht hier sehr still war, konnte sie ihn sehr gut verstehen. „Hast du deine Tage?“

 „Wir sind ja heute besonders originell“, kam aus dem Schlafzimmer zurück.

 Ich versuche nur etwas Konversation zu machen, Entschuldigung... Okay, wie wäre es hiermit: Liegt es vielleicht an irgendeinem notgeilen Kollegen, der die ganze Zeit auf deine Oberweite starrt?

 Er setzte sich auf und bevor er in die Küche ging fügte er noch durch den Flur hindurch hinzu: „So vor dem Einkaufszentrum, nach Ladenschluss?“

 Sie lehnte sich aus der Tür, Richtung Flur, zog eine Augenbraue hoch und meinte nur „Hast du eigentlich nichts besseres zu tun? Irgendjemand muss sich auch um die Organisation kümmern.“ Sie seufzte.

 „Ich organisiere jetzt Suppe.“, meinte er grantig.

 „Du bist ein Fachidiot, Fin.“, rief sie gutmütig und gesellte sich dann zu ihm in die Küche. Der Raum war bitterkalt, sie hatte eigentlich geplant gleich ins Bett zu gehen.

 Ihr Besuch kramte durch die Schränke, auf der Suche nach Instantsuppen, erfolglos.

 „Ausgezeichnete Beobachtungsgabe, unser Spezialist unter den Spezialisten, Finley Johnson.“

 „Ich kann nicht arbeiten, wenn ich nichts gegessen habe.“

 Sie kramte die Suppen hervor, setzte das Wasser auf, während er sich an den Tisch setzte und die Zeitungen durchblätterte. Interessiert erhaschten seine Augen die rot markierten Stellen im Text. „Respekt. Du hast noch Zeit dafür, während du tagsüber versuchst, einen... halbwegs normalen Job zu verfolgen? Privatdetektiv für ne Kaufhauskette. Wie süß. Ironisch fast.“

 Sie kippte das kochende Wasser über die Nudelsuppen. „Ich halte es für eine äußerst unauffällige Tätigkeit, wenn du mich fragst.“

 „War da ein Wortwitz intendiert? Wenn ja, ich habe bereits bessere gehört.“

 „Sei ruhig und schau dir die Zeitung an.“, ihre Gesichtszüge wirkten starr und müde, ihre Stirn war in Falten gelegt.

 Er blätterte ziellos umher, bis sie ihren Zeigefinger auf einen Artikel stemmte. Es war nur ein eher kleiner Artikel in einer Boulevard-Zeitung, nichts auf der Titelseite, dennoch, große Lettern bildeten die Überschrift. „Stadtarchiv ausgeraubt“.

 „Hä?“, gab er verwundert von sich. Während sie zitternd die Suppe auf dem Tisch platzierte. „Wieso gibt der Boss uns jetzt nicht mal mehr Bescheid?“

 „Weil das nicht wir waren.“, gab sie zurück.

 „Mmh, Zufall?“, er legte die Zeitung flach auf den Tisch und lehnte sich in dem Küchenstuhl zurück.

 Sie setzte sich zu ihm an den Tisch, rührte in ihrer Suppe und blieb für eine Weile ruhig. Erst, als er sie fragend anschaute, antwortete sie: „Ich bin heute da gewesen.“, er schaute sie skeptisch an, sie meinte weiter: „Unauffällig, ich weiß ja... aber... warum sollte jemand das Archiv überfallen? Warum sollte das jemand tun, wenn er nicht die gleichen Informationen benötigte, wie wir?“ Sie wirkte ein wenig außer Atem.

 „Und?“, meinte Finley und betrachtete die dampfende Suppe.

 Sie kramte in ihrer Hosentasche, fand nichts in dem gewaschenen Kleidungsstück und stand ruckartig auf, verließ mit großen Schritten die Küche.

 Nur einige Minuten später hatte sie gefunden, was sie suchte.

 Sie drückte Finley ein Foto in die Hand.

 Die hellhaarige Frau kaute auf ihrer Lippe und sagte: „Zufall?“

21.12.09 02:28
 


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