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Es beginnt

Überwachung das war ihre Aufgabe. Nicht aus einem warmen gemütlichen Auto heraus, nicht aus einem leer stehenden Zimmer in dem man sich abwechseln konnte, sondern aus dem Park heraus. Kauernd versteckt, frierend zwischen zwei Büschen das Objektiv der Kamera, des Fernglas dauerhaft auf die leere im halbdunkel der Straßenlaterne getauchte Ladenfront gerichtet.

Wieder so eine Idee von den hohen Tieren, die nur noch wussten wie sie ihre gemütlichen Ledersessel warm hielten, was ihre Agenten dort draußen in der winterlichen Kälte machten war ihnen hingegen vollkommen egal.

„Hey haste die Joggerin in der blauen Jacke, da unten auf dem Weg gesehen?“ flüsterte der Mann hinter dem Fernglas.

„Ja sonst bewegt sich hier ja nicht viel,“ antwortet eine leise Stimme hinter dem klickenden Objektiv.

„Die hatte vielleicht dicke Dinger, nicht wahr. Mindestens ein C wenn nicht ein D.“

„Du hast auch keine anderen Probleme, guck lieber durch dein dummes Fernglas auf das uns niemand beobachtet, ich friere mir hier noch einen ab.“

„Mindestens ein D,“ grummelt der Mann mit dem Fernglas nur um sich dann wieder seiner Aufgabe zu zuwenden.


Auf dem schmalen Tisch, in der vergleichsweise großen Küche, liegen aufgetürmt etliche Zeitungen. Artikel sind mit dicken roten Filzstift umrandet. Eine weiße Mappe, mit durchsichtiger Front liegt daneben. Ein viereckiges modern geschnittenes Foto ziert das Coverblatt, zu sehen ist eine mittelblond fast rothaarige Frau, mit breitem Gesicht, verträumt in die ferne blickenden Augen vollen aber nur dezent geschminkten Lippen zu sehen, denen es schwer fällt das blasse schüchterne Lächeln auf ihnen dem Betrachter näher zu bringen.

Ein wenig ein gezwängt in einen schwarzen Blazer mit weißer Bluse darunter, kann diese Frau nur schwer ihre die Kleidung weit ausbeulenden großen Brüste verstecken, so das diese umso mehr zum Mittelpunkt des Bildes werden.

Unter dem Bild in großer Fett gedruckter Schrift steht „ Diplom Betriebswirtin Aya Stern“. Mit etwas Abstand davon einige Zeilen darunter „Bewerbungsunterlagen als Wirtschaftspsychologin.“

Mit einem lauten Knall fällt die schwere Eingangstür in ihre Angeln. Verschwitzt, ausgepowert kommt Aya nach Hause. Die dreckigen grauen Joggingschuhe einfach nur zu Boden fallen lassend betrachtet sie sich kurz im wellenförmigen Decken hohen Spiegel. Das zum Zopf gebundene rötlich-blond glänzende Haar klebt ihr an nass verschwitzt unter der schwarzen Wollmütze an der Stirn.

Sie probiert spontan freundlich zu Lächeln, was eher in einer Grimasse endet, so das sie frustriert ihrem Spiegelbild die Zunge herausstreckt und sich lieber dem Badezimmer zuwendet um sich ihrer Kleidung zu entledigen.

Erschöpft wirft sie die blaue Schweiß durchnässte Fließjacke zusammen mit dem viel zu engen schwarzen Sport-BH, der tief rote Abdrücke auf ihrer Haut hinterlassen hat, auf den weiß gekachelten Boden neben die Badewanne.

Nur die schwarze lange Jogginghose, sowie die Socken legt sie sorgsam über den Handtuchhalter. Bevor sie den provisorischen blass blauen Duschvorhang zuzieht und stacksend in die Wanne steigt, zieht sie noch das Handy aus der Hosentasche. Griffbereit jederzeit erreichbar, legt sie es behutsam auf den gegenüberliegenden Waschbeckenrand.

Während der letzten Runden ist dies, diese kalte entspannende Dusche eines der wichtigsten Dinge auf das sich Aya freuen konnte und daher auch schneller laufen lies als bei der ersten Runde zu Anfang. Das Wasser über den Kopf spülen lassend, so das nur noch das Rauschen des Wassers zu hören ist, die Welt an sich verstummt, nur um wenige Augenblicke später in der aufkommenden Leere das schnell klopfende Herz zu spüren.

Erst als die Kälte der Dusche zu unerträglich wird schaltet Aya die Dusche aus und hüllt sich in ihr großes wohltuend warmes Handtuch. Das Display des Handys leuchtet, eine SMS.

„Wir benötigen ihre Dienste schon früher, hoffe sie können dies einrichten.“

Kaum hat sie zu ende gelesen klingelt es an der Haustür.

20.12.09 13:09
 


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